Gestatten, Glas! – Ein Werkstoff stellt sich vor

Natürlich kennen wir alle Glas. Glas ist schließlich überall um uns herum, auch wenn es sich vielfach dadurch auszeichnet, durchsichtig zu sein.

Aber was wissen wir eigentlich über den Werkstoff Glas?

Glas ist – kurz gesagt – ein fester, nicht kristallisierter Stoff. Dem festen Zustand von Glas geht immer ein Schmelzprozess voraus. Die Abkühlung des Stoffes erfolgt im Anschluss daran so schnell, dass für den Prozess der Kristallbildung keine Zeit bleibt.

Natürliche Gläser entstehen beispielsweise durch das Schmelzen von Sand oder Gestein bei Blitzeinschlag, Meteoriteneinschlag oder Bergstürzen. Druck und Hitze sind dabei so hoch, dass das Kristallgitter des Gesteins seine geregelte Struktur verliert und durch einen schnellen Abkühlungsprozess in diesem Zustand verbleibt und fest wird.

Vor etwa 4000 Jahren könnte einer unserer Vorfahren ein natürlich entstandenes Glasstück für die zweckgebundene Nutzung entdeckt haben. Der scharfe Bruch der häufig blütenartig gebildeten Naturgläser und die für die damalige Zeit unbekannte Härte des Materials luden zur Verwendung als Keil, Klinge oder Schaber geradezu ein.

Die aktive Glasherstellung lässt sich ab dem Jahr 1450 v. Chr. im Alten Ägypten dokumentieren.

Zerkleinertes Quarzgestein wurde mit sodahaltiger Pflanzenasche vermengt und bei ungefähr 800 °C verschmolzen. In einem zweiten, noch heißeren Schmelzprozess wurden durch Zugabe von Metalloxiden unterschiedliche Färbungen erreicht. Die erkalteten Glasbarren konnten dann zu Gefäßen oder Werkzeugteilen weiterverarbeitet werden.

Wie man auf diese schon sehr ausgeklügelten Verfahren kam? Wir wissen es nicht genau. Wahrscheinlich hatten – wie so oft in der Geschichte – Zufall und Neugier die Hauptrollen gespielt.

Nachdem die Machart einmal bekannt war, startete das Glas seinen Siegeszug um die ganze Welt. Im Römischen Reich war die Glaskunst schon sehr weit entwickelt. Man findet reichlich filigrane Schmuckstücke und dünnwandige Gefäße mit aufwendigen Ornamenten aus Glas.

Zu dieser Zeit wurde auch schon das erste Fensterglas für Thermen oder Villen verwendet.

Die Industrialisierung machte Glas schließlich zum Alltagsprodukt. In standardisierten Verfahren konnten nun große Mengen verschiedener Glastypen hergestellt und in immer mehr Bereichen unseres Lebens eingesetzt werden.

Wir finden: Was für ein glücklicher Zufall, der da vor 4000 Jahren in der Wüste, an der Küste oder wo auch immer passierte.