Buntglas – Die Jahrtausende alte Faszination

Wer in einer Kirche vor einem sonnendurchfluteten Buntglasfenster steht, kann sich der Faszination kaum entziehen. Die Kirchenerbauer des Hochmittelalters werden sich wohl genau das gedacht haben, als sie mit der farbenfrohen Darstellung von Heiligen und Bibelepisoden bei der Kirchenfenstergestaltung ein Stück Göttlichkeit in Einzug halten ließen.

Diese Form der Buntglasgestaltung ist auch bekannt als Glasmalerei. Mit unterschiedlichen Verfahren wie Gravieren oder Ätzen werden Farbpigmente mit der Glasoberfläche verbunden oder auch tiefer in die Glasstruktur eingebracht. Je nach Tiefe der Einarbeitung lassen sich unterschiedliche Farbtönungen schaffen, die bei Lichteinfall sehr vielseitige Effekte erzielen können.

Ungefähr im 15. Jahrhundert fanden die impressionistischen Darstellungen aus Buntglas auch abseits der Kirchen Einzug in die sogenannten „profanen Fenster“ und zierten Eingangsbereiche von Herrschaftshäusern und Schlössern oder Gaststätten.

Wenn Glas großflächig gefärbt werden soll und es weniger um eine Motivgestaltung auf dem Glas als Oberfläche geht, kommen andere Methoden zum Einsatz. Grundsätzlich werden bei Gläsern drei Farbgebungsmechanismen unterschieden, nämlich die Ionenfärbung, die kolloidale Färbung und die Anlauffärbung. Während die erstgenannte Möglichkeit hauptsächlich auf der Wechselwirkung des Lichtes mit den farbgebenden Elementen beruht, treten bei den letzten beiden verschiedene Reflexions- und Brechungserscheinungen des Lichts auf. Nachweisbar wurde schon im Alten Ägypten Glas gefärbt und zur Herstellung von Gefäßen weiterverarbeitet. Das Glas wurde dabei durch Beimischen von Metall-Oxiden schwarz, violett, blau, grün, rot, gelb oder weiß gefärbt. Grundsätzlich hat sich an dem Färbeprozess bis heute nicht viel verändert.

Hier einige prominente Beispiele:

Grüne Weinflaschen erhalten Ihre Farbe durch Eisenoxide, die ins flüssige Glas eingeschmolzen werden.

Braunglasflaschen werden durch Zugabe von Eisen und Schwefel eingefärbt.

Übrigens schützt die Färbung der Glasflasche vor verstärktem Lichteinfall und unterstützt somit häufig Geschmack und Haltbarheit des Inhalts.

Gewöhnliches Floatglas, das bespielsweise für Tischplatten zugeschnitten wird, ist wegen Eisenoxid-Verunreinigungen in dickeren Schichten und vor allem an den Kanten grün.

Gefärbtes Glas ist immer etwas Besonderes. Egal, ob als Trinkglas, Dekoration, Fenster, Sicht- oder Spritzschutz: Design mit Geschichte.